Geschichte des Waldfestes

Traditionsreicher Queienberg

die Wurzeln des Festes

 

Es ist keine neue Erfindung gewesen, das Waldfest!

Aber es war eine tolle Idee!

Diese Idee hat ihre Wurzeln im Wissen um die traditionsreiche Geschichte des Queienberges.

Schon in der Urzeit soll der Berg ein beliebtes Jagdgebiet gewesen sein. Die Steinzeitmenschen trieben die jagdbaren Tiere hinauf auf die Höhe und über die Felskante stürzten diese die beinahe senkrechte Wand hinunter in die Tiefe. Die Jäger brauchten sie nur noch "aufzusammeln"...

Später hatten die Germanen oben auf dem Berg eine Kultstätte, wo sie ihrer Göttin Freya, der Gattin des Göttervaters Odin, der Beschützerin des Herdes, des Viehs und der Früchte des Feldes huldigten.

Als das Christentum unser Gebiet erreichte, wurde die germanische Kultstätte zum Wallfahrtsort für die christliche Gottesmutter Maria. Bis in das hohe Mittelalter war der Berg dann das Ziel vieler Pilger, die zu dem weithin bekannten und wundertätigen Kirchlein gezogen kamen, das man oben auf der Höhe errichtet hatte.

Dort oben war bis in das 17. (?) Jahrhundert auch der Friedhof für die Verstorbenen von Queienfeld und Rentwertshausen. Nach der Reformation allerdings wurde es stiller um Berg und Kirchlein. Die Pilger blieben aus.

Erst zum 25. Juni 1830 wird wieder etwas vom Queienberg berichtet, und zwar über ein festliches Ereignis, ein, dreihundertjähriges Jubelfest: Anlässlich der Annahme des Augsburger Glaubensbekenntnisses im Jahre 1530 wurde an diesem Tag die Luther-Linde feierlich gepflanzt. Noch heute spricht man in Queienfeld vom "Festplatz an der Luther-Linde". 25 Jahre später, am 2 September 1855 wurde noch ein weiteres "Jubelfest" gefeiert, nämlich der dreihundertste Jahrestag des Abschlusses des Augsburger Religionsfriedens. Aus diesem Anlass wurden oben auf der Höhe des Berges zwei weitere Linden, links und rechts der heutigen Queienberghütte, gepflanzt. Wir kennen sie noch immer als die Friedenslinden. Wenn auch die Zehner-Linde im Lindengarten am "grauen Hag" mitten im Dorf nicht viel mit dem Queienberg zu tun hat, soll sie doch auch erwähnt werden. Die Zehnerlinde war am 2. September 1895, geschichtlich Interessierten bekannt als "Sedanstag", zu Ehren von zehn jungen Männern gepflanzt worden, die als Soldaten in den deutsch-französischen Krieg 1870/71 gezogen waren. Zwei von ihnen kamen nicht wieder in die Heimat zurück: Den alten Queienfeldern waren Lindenbäume ganz offensichtlich ans Herz gewachsen. Wer sich den Waldfestplatz genau ansieht, der findet dort an der Südseite eine ganze Reihe dieser herrlichen Bäume. Ganz besonderen Zuspruch aus den umliegenden Dörfern haben auch die wieder zur jährlichen Tradition gewordenen Waldgottesdienste an der Lutherlinde, ein besinnlich-heiterer Frühlingsauftakt für viele hundert Gläubige an jedem ersten Sonntag im Mai. Vom Festplatz aus hat man einen wunderschönen Ausblick über das Grabfeld bis hin zur Rhön und so fanden schon früher und finden natürlich auch heute die Menschen Ruhe dort oben. Besonders die Alten wandern oft, so sie noch im Stande dazu sind, hinauf, lassen sich auf einer Bank nieder und genießen...

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Die Idee, ein "Waldfest" zu veranstalten, war also kein aus dem Nichts heraus geborener Gedanke. Sie hat tiefe Wurzeln in der Geschichte. Als heimatverbundene und sich um das Wohl des Dorfes sorgende Männer ein solches Fest anregten, stießen sie auf keine tauben Ohren:"Dos mache mer, does Dingk wöd ogepackt!"


Und sie packten es an ....

 

Das erste Waldfest wird vorbereitet

Was für eine Art Fest sollte es denn nun werden? Heute würden wir sagen, ein Dorf-Fest, ein Fest für das ganze Dorf, für jung und alt. So etwas in Queienfeld zu organisieren, ist eigentlich leicht, aber auch wieder nicht: Es war schließlich keine fette Zeit am Anfang der fünfziger Jahre, es mangelte überall und an allem. Einen geeigneten Platz hatte man ja schon, den Platz an der Lutherlinde, nur - um ein Dorffest dort feiern zu können, musste er erst einmal hergerichtet und zu einem Festplatz gemacht werden. Platz zum Tanzen gibt es genug unter der Linde, nur - eine schöne ebene, glatte Tanzfläche musste erst erbaut werden. Zum Tanzen braucht man Tanzmusik. Die gab es im Dorf selbst; ja, die Tanzkapelle aus Queienfeld war damals schon weithin bekannt. Würde aber Walter Zöller, ihr Leiter und Musiker im Meininger Theater, dienstfrei haben? Zum Pfingstfest ist das Gras schon recht hoch und man kann gut auf dem Boden sitzen, wenn man eine Decke oder Ähnliches mitgebracht hat; was aber tun, sollte es regnen? Man konnte doch den Gästen nicht zumuten, den ganzen Tag zu stehen... Also mussten irgendwie Bänke her, aber woher oder auch womit? Um diese Jahreszeit ist es am Abend schon recht lange hell, aber wenn man schon einmal feiert, möchte man schließlich nicht mit den Hühnern schlafen gehen. Es wurde Licht gebraucht. Wo aber war ein solch langes Kabel zu finden? Auch Getränke gab es; in Queienfeld hatte man sogar zwei Wirtshäuser. Nur - wie sollten die Gastwirte Artur Göpfert und Mathes Beutler dazu überredet werden, auf dem Festplatz bis in die späte Nacht hinein auszuschenken? Und hungern musste zwar niemand mehr im Dorf trotz der Lebensmittelkarten, die es immer noch gab (und noch bis 1958 geben sollte), aber zum Fest wollte man ja auch was zum Beißen. Wenn sich besonders die Älteren an die Vorkriegszeit erinnerten, lief ihnen bei dem Gedanken an die Bratwürste, die es immer zu festlichen Gelegenheiten gab, das Wasser im Munde zusammen. Woher aber sollten die Bratwürste kommen?

Viele Fragen gab es und viele Probleme mussten irgendwie gelöst werden.

Das Festkommitee unter der Schirmherrschaft des, Ortsausschusses der Nationalen Front' wusste sich zu helfen!

 

Die ersten Maßnahmen

Der zukünftige Festplatz sah wild aus. Zunächst mußte also Gestrüpp und Unrat weggeräumt, Löcher und die gröbsten Unebenheiten verfüllt werden. Alle Männer und besonders die Handwerker des Dorfes waren aufgerufen, mitzuhelfen und viele kamen und packten eifrig zu. Nun machten sich die Zimmerleute des Dorfes unter der Leitung von Wilhelm Schleicher und Willi Röhner an den Bau einer hölzernen Tanzfläche. Die dazu notwendigen Balken und Bretter stellte der Gemeinderat zur Verfügung. Die Bretter wurden zu großen Platten zusammengefügt und auf den Balken befestigt. Die so entstandene Tanzfläche wurde mit einem Geländer aus Stangen umgeben; es sollte schließlich niemand zu Schaden kommen. Wer wußte denn, wie hoch die Wellen der Tanzeslust oder auch der Trunkenheit schlagen würden? Als diese Tanzfläche fertig war, gab es doch einige Bedenken: Sehr groß war sie nicht gerade. Viele Paare konnten nicht darauf tanzen. Aber was tun? Unter der großen Linde daneben war noch eine schöne freie Fläche. Aber die Balken und Bretter waren aufgebraucht. Und wieder wußte man sich zu helfen: Aus dem nahen Fichtenwald wurden ein paar Schubkarren Fichtennadeln geholt und unter der Linde ausgebreitet. Das ergab eine recht glatte Fläche, auf der es sich bestimmt gut tanzen lassen würde. Und dieser Gedanke erwies sich als genau richtig. Allerdings hatte das Ganze auch einen kleinen Nachteil, der erst nach dem Fest zur Sprache kam: Alle, die dort unten getanzt hatten, mußten sich vor dem Schlafengehen nicht nur die Füße, sondern auch die Beine waschen, denn die Fichtennadeln erwiesen sich als eine gewaltig staubige Angelegenheit. Trotzdem diente auch diese "Tannennadeltanzdiele" viele Jahre als Ausweichplatz, und zwar bis zum Jahre 1977. Einige Männer rückten ein paar Tage vor dem Fest mit Sägen und Äxten bewaffnet aus, um im Gemeindewald Stangen zu schlagen. Die wurden dann geschält, Pfähle und Latten zurechtgeschnitten und Bänke gebaut.  Sehr bequem waren solche roh gezimmerten Sitzgelegenheiten freilich nicht; aber wer kein Kissen oder eine Decke mitgebracht hatte, brauchte wenigstens nicht auf der blanken Erde zu hocken. Diese Bänke mußten allerdings in den folgenden Jahren immer wieder repariert und viele sogar erneuert werden. Für die Ewigkeit waren sie nicht geeignet. Ja, wenn die Jugend ein wenig sorgsamer damit umgegangen wäre ... Aber das ist heute ja auch nicht anders, oder? Schließlich waren noch die Elektriker des Dorfes gefordert. Es wurde ja schließlich Licht gebraucht für den Abend und die Nacht, damit wenigstens die Musikanten ihre Noten sehen konnten und die Wirte die Eichstriche an den Gläsern... In einer in der Nähe gelegenen Scheune gab es einen Starkstromanschluß. Von dort zogen die Elektriker ein langes Kabel, das zu einer der damals noch gebräuchlichen Dreschmaschinen gehörte, zum Festplatz. Damit waren die wichtigsten "äußeren" Bedingungen für das Fest geschaffen. Aber halt, eine fehlte noch, eine sehr wichtige sogar. Sicher würde es viele durstige Seelen geben und das Bier in Strömen durch die trockenen Kehlen fließen. Es würde also gar nicht lange dauern, bis man mal "Müssen" müßte. Für die Männer war das damals weiter kein Problem: Der Wald ist schließlich direkt daneben und groß genug. Die holde Weiblichkeit aber läßt sich dabei nicht gerne beobachten. Also wurde etwas abseits im Wald aus Brettern ein kleiner Verschlag errichtet und auch dieses Problem war gelöst.